Zeit

Ich glaube, das ist unsere Zeit. Meine Zeit. Deine Zeit. Eure Zeit.

Abi geschafft. Der Moment auf den ich so lange gewartet habe. Koffer gepackt. Los gehts. Fuerteventura. Schweiz. Norwegen. Rügen. Denn: Jetzt ist meine Zeit. Oder?

Eigentlich passiert nicht viel. Surfen. Unterrichten. Essen. Schlafen. Jeden Tag. Mal Wind. Mal kein Wind. Aber: Ist jetzt nicht meine Zeit? Ich meine, das ist die Zeit auf die ich so lange gewartet habe. Ich verbringe sie hier. Am Meer. Auf der hintersten Ecke der Insel. Lebe um zu arbeiten. Arbeite um zu leben. Feierabend gibt es irgendwie nie. Aber: Ich bin glücklich. Und ja: Jetzt ist meine Zeit.

Der Wind spielt verrückt. Die Vorhersage stimmt nur bedingt. Das habe ich in den letzten Tagen gelernt. Irgendwie kommt er immer anders. Keiner weiß genau wie lange er bleibt. Und manchmal lässt man einfach alles stehn und liegen. Denn: Es ist Wind. Jetzt. Keiner weiß wie lange das so bleibt. Und das bedeutet: Den Moment ausnutzen. Es könnte schon die letzte Böe sein. Das ist anstrengend. Planen geht irgendwie nur bedingt. Aber: Ich bin glücklich. Trotzdem. Denn Moment machen Spaß. Denn: Jetzt ist meine Zeit.

Ich schreibe mit dir. Du arbeitest. Arbeiten ist schön. Arbeiten ist anstrengend. Du träumst vom Reisen. Du auch. Aber du weißt, dass Arbeit wichtig ist. Es ist gut einen Abschluss zu haben. Eine Befähigung. Irgendwie. Vielleicht bist du da schon weiter als ich. Denkst weiter. Und das ist okay. Denn jetzt ist auch deine Zeit. Du hast ein Ziel. Und dafür zu arbeiten ist gut. Denn: Jetzt ist deine Zeit.
Ich checke Snapchat. Fest. Lernen. Arbeiten. Reisen. Jeder tut irgendetwas. Jeder von euch lebt sein Leben. Jeder macht etwas aus seinem Leben. Vielleicht sieht man das nicht sofort. Aber ich glaube daran. Ich glaube daran, dass man aus jeder Situation etwas machen kann. Irgendwie. Auch wenn man es nicht glaubt. Vielleicht muss man daran glauben. Denn: Jetzt ist eure Zeit. Egal wo ihr seid. Egal was gerade passiert.

Es ist Starkwind. Perfekte Bedingungen. Endlich. Anstrengend. Und aus irgendeinem Grund sitze ich gerade hier und tippe diese Zeilen. Klar: Ich war schon auf dem Wasser. Ich gehe auch wieder aufs Wasser. Bald. Aber manchmal ist rumsitzen auch okay. Denn: Jetzt ist meine Zeit.

Because it doesn´t matter.

Fast 20 Grad. Irgendwann stehe ich mit Tshirt und Sonnenbrille auf der Piste. Der Schnee ist matschig. Schwer. Anstrengend. Kniebeuge! Fahrt tief! Ich sage es immer wieder. Die Schüler sind ko. Ich verstehe das. Aber sie probieren es umzusetzen. Immer und immer wieder. Und immer öfter bleiben sie stehen dabei. Geben nicht auf. Haben Spaß. Egal wie sie schwitzen. Because it doesn´t matter. Und hey, die Sonne scheint!

Wir fahren auf den Berg. Es schneit seit Tagen. Selbst unten in Davos. Ziehen alles an was geht. Sehen aus wie Gangster mit den Sturmhauben. Und stürzen raus aus der Gondel. Raus in 50cm Neuschnee. Raus ins Paradies. Ja, es sind -20 Grad. Es stürmt. Und ich kann kaum meine eigene Hand erkennen. But it doesn´t matter. Hey, es ist Neuschnee!

Powdern im Neuschnee. Einfach nur dem Instinkt vertrauen. Dieses Gefühl. Wie surfen. Auf dem Schnee. Und plötzlich macht alles Sinn. All die Arbeit. Alles verschwindet. Es gibt mich. Den unberührten Schnee. Und mein Brett. Das reicht. Die Beine zittern. Es ist anstrengend. Kalt. Aber das bekommt keiner mit. Nicht in diesem Moment. Because it doesn´t matter.

2 Wochen. Hunderte Gäste. Kinder. Eltern. Überall. Arbeit. Früh aufstehen. Wenige Stunden Schlaf. Partys bis es hell wird. Viel Arbeit. Überteuerte Preise. Boarden bei jeder Witterung.

Den ganzen  Tag. Spaß. Schneesturm. Und das beste Team! Danke Davos!

Stoked

Ich laufe auf die Welle zu. Der Boden zieht sich unter meinen Füßen weg. Ich spüre die Strömung. Spüre die Kraft. Also springe ich auf mein Brett. Paddle. Und warte auf die Welle die mit großer Sicherheit auf mich zurollt. Sie baut sich auf. Aus einer kleinen Delle im Wasser ist plötzlich ein Ungetüm geworden, das mindestens doppelt so groß ist wie ich. Ich höre auf sie zu beobachten. Konzentriere mich auf mein Brett. Auf mich. Bis ich die Kraft der Welle spüre. Die mich mitnimmt. Ich stehe auf. Surfe bis an den Strand. Und genieße dieses unglaubliche Gefühl. Perfekt.

Ich laufe auf die Welle zu. Bin schon ziemlich weit draußen. Spüre die Strömung an meinen Füßen. Kann mich kaum mehr bewegen. Ich beobachte die nächste Welle. Wie sie sich aufbaut. Sie wird gewaltig. Ich freue mich. Bis mir auffällt dass das nicht reicht. Ich stehe viel zu weit draußen. Mein Surflehrer pfeift als ich erkenne wo die Welle brechen wird. Genau über mir. Aber ich bleibe stehen. Mit einer Mischung aus Faszination und Angst beobachte ich. Ich weiß, dass die Welle mich herumschleudern wird. Ich weiß auch dass ich hier nicht mehr schnell genug wegkomme. Also warte ich. Hole tief Luft bevor die Welle zusammenstürzt. Sie wirbelt mich herum wie im Schleudergang unserer Waschmaschine. Drückt mich unter Wasser. Und als ich wieder auftauchen kann um Luft zu schnappen bin ich schon fast wieder am Strand. Was solls. Gehört dazu. “Auf ein Neues” denke ich mir, schnappe mein Brett und mache mich wieder auf den Weg in die Wellen.

Ich bin schon wieder am Strand. Nach einer perfekten Welle. Meine Arme fühlen sich an wie Pudding. Meine Beine sacken beim Laufen immer wieder zusammen. Meine Füße sind oben knallrot, unten von den Steinen aufgerissen. Die Sonne brennt im Gesicht. Ich weiß genau, dass das Sonnenbrand gibt. Aber ich will nochmal. Dieses Gefühl hört einfach nicht auf. Ich brauche noch eine Welle. Sucht. Eine noch. Und dann noch eine. Mit fast keiner Kraft mehr kämpfe ich mich also nach draußen. Und werde mit einer tollen Welle belohnt.

Ich kann nicht mehr. Der Körper macht nicht mehr mit. Kann kaum noch laufen. Aber, hey! Ich bin glücklich. Könnte nicht glücklicher sein. Und das ist es wert. Genau das.

Stoked.

alles wird gut

Alles wird gut!

Wenn ich eine Statistik meiner am häufigsten gesagten, gedachten, geschriebenen Sätze des letzten Jahres hätte, wäre dieser hier ganz sicher ganz oben mit dabei. Habe mich sooft motiviert. Alles wird gut. Habe meine Sorgen ignoriert. Habe aufgehört nachzudenken. Habe es zugelassen. Dich zugelassen. Mal mehr. Mal weniger. Und mir dabei immer gesagt, dass schon alles gut werden wird. Habe mir verboten nachzudenken. Einfach gemacht. Und das war gut.SAM_6133.JPG

Alles wird gut. Habe ich gesagt und bin losgefahren. Ohne Plan. Ohne Termine. Bin durch Berlin gefahren. Wir haben uns wiedergetroffen. Und plötzlich war alles wieder gut.

Alles wird gut. Sage ich mir als ich auf die Beurteilung warte. Eine Woche voller Prüfungen. Zum laufen zu schwach. Aufregung. Die Party wartet. Egal wie es ausgeht. Bestanden oder nicht bestanden. Und wie laufen ins Dorf. Gefeiert wird auf jeden Fall. Denn alles wird gut.

Alles wird gut. Habe ich gesagt als ich mit Tränen in den Augen am Flughafen stand. Kapiert habe, dass die Woche viel zu kurz war. Dass ich das hier mehr als alles liebe. Und dass das verdammte Flugzeug ohne mich fliegen soll. Ich habe verstanden, dass es niemals einfacher wird. Mit dem Abschied. Alles wird gut, habe ich gesagt. Bin in das Flugzeug gestiegen. Einer harten Prüfungswoche entgegen.

Alles wird gut. Ich wache auf. Fragezeichen leuchten auf meinem Handy. Fragezeichen über meinem Kopf. Wir sind um 5 heimgekommen, erzählt sie mir. Willst du wissen was du heute Nacht alles angestellt hast? Nein, verdammt, das will ich nicht. Ich hatte Spaß. Und alles wird gut. Ich steige ins Auto. Unterdrücke meine Tränen. Alles wird..irgendwie.

Alles wird gut. Habe ich mir eingeredet. Bin ein letztes Mal zum Strand gerannt. Ich musste dich noch einmal sehen. Mich von dir verabschieden. Alles wird gut haben wir gesagt. Du musst los. Ich renne zurück in die Jugendherberge. Noch 5 Minuten zum Packen. Auf die Nachfrage meiner Freundin antworte ich: Es wird schon..alles gut. Irgendwie. Steige in den Bus. Und reiße mich zusammen. Denn ich weiß, ich komme wieder. Denn: Alles wird gut.

Alles wird gut. Ich laufe zu meiner Wohnung. Völlig geschafft. Italienische Sprachfetzen schwirren durch meinen Kopf. Ich habe mal wieder nichts verstanden. Einfach gemacht. Genickt. Si Si. No entiendo. Italiener verstehen kein Spanisch. Das habe ich gelernt. Aber Hände und Füße, das verstehen sie. Und alles war gut. Und sportlich.

Alles wird gut. Sage ich mir morgens vor dem Spiegel. Ich weiß genau, dass ich abends völlig KO ins Bett fallen werde. Dass mich die Schule nerven wird. Dass mir die Berge auf dem Schreibtisch die Nerven rauben werden. Dass ich die To-Do-List niemals packen kann. Aber alles wird gut. Abends liege ich in meinem Bett. Schaue auf den Countdown. Wieder einen Tag geschafft. Vorfreude. Denn: Alles wird gut.

Alles wird gut. Sage ich mir als ich am Anfang vom Line-Up sitze. Der Kicker ragt vor mir. Groß. Unheimlich. Und ich weiß dass ich Angst davor habe. “Kindergeburtstag” sagt meine Freundin. Alles wird gut. Also springe ich ein. Rase auf den Kicker zu. Und wie in Zeitlupe die Landung. Alles war gut. Adrenalin. Mehr als gut.

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Alles wird gut. Sage ich mir wenn ich an nächstes Jahr denke. Ich weiß nicht was passieren wird. Mit mir. Mit uns. Nach der Schule. Wohin die Reise geht. Wer weiß das schon. Ich werde einfach loslaufen müssen. Aber das macht nichts. Denn: Alles wird gut!

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Videos. Bilder. News. Meine Facebookseite ist voller Schnee.

Stubaier Gletscher. Kaunertal. Powder. Es beginnt!

Meine Vorfreude sprudelt aus mir raus. Die Saison beginnt. Ganz bald. Und alles was ich sagen kann: Ready. Bereit.

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Ich bin bereit die Freiheit zu geniessen. Über den Wolken. Im Schnee. An den Powdertagen. Auch wenn diese so selten sind. Vielleicht gerade deshalb sind sie so besonders. Alles was zählt bist du. Dein Brett. Der Tiefschnee. Die Welt steht still. An diesem Moment. An diesen Tagen läuft alles in Zeitlupe. Weil es so wundervoll ist.

Hinfallen. Kopfüber im Schnee? Egal! Wieder aufstehen. War weich. Nichts passiert. Nur nass 😀 Wie ich diese Momente vermisse.

Kinderlachen. Wenn sie die erste Kurve geschafft haben. Es folgt eine zweite. Ganz sicher. Irgendwann. Nach ganz vielen Stürzen. Vielleicht einer Schneeballschlacht. Aber das macht nichts. Sie stehen wieder auf. Haben Spaß daran. Kann mir keinen besseren Job vorstellen. Bin bereit dafür.

Das Adrenalin. Die Angst vor dem Kicker. Was wenn ich ihn nicht stehe? Was wenn ich mir dabei die Hand breche? Eine Freundin hat mir damals gesagt:

“Kindergeburtstag! Genauso hast du dich früher gefühlt bevor du Geburtstag hattest. Das ist keine Angst. Das ist Vorfreude, denn du weißt genau dass gleich etwas wundervolles passiert. Denk nicht nach. Freu dich. Und spring!”

Dieser Satz hat so viel bedeutet. Ich springe in die Anfahrt. Alles um mich rum verschwindet. Ich sehe nur den Absprung. Plötzlich fliege ich durch die Luft. Die Landung perfekt. Wie so oft eigentlich. Ich höre meine Freunde. Applaus. Schaue in das verdutzte Gesicht des Prüfers. Lächle. Prüfung geschafft. Aber das ist so viel mehr. Dieses Gefühl. Unglaublich. Ich kann es nicht beschreiben. Aber ich tue es immer wieder. Egal wie oft ich falle. Egal wie weh es tut. Und alles nur für dieses Gefühl. Ich bin bereit dafür. Sowas von!

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Immer wenn ich darüber nachdenke. Es ist teuer. Verdammt teuer. Luxus. Ich weiß. Ich denke an all die Stunden die ich dafür arbeiten musste. Lächle. Es war hart. Aber diese Tage sind das alles wert!

 

 

BERLIN

09:55 zeigt meine Uhr. “Thank you for travelling with the Deutsche Bahn.” lautet die Durchsage. Wie immer. Wir fahren in den Berliner Hauptbahnhof ein. Raus aus dem Zug. Rein in die Menschenmassen. HALLO BERLIN! 

Montagmorgen. Nicht nur Menschemassen. Menschenmassen in Anzügen. Überall schwarz. Überall Business. Sehen alle so wichtig vor. Man bin ich klein. Beanie und Rucksack. Alles klar. HALLO BERLIN

Ich blicke wieder auf die Uhr. 10:00. Die Zeit steht still. Hat mich die Ankuft so gefesselt. Ich stehe rum. Menschen hetzen zu den Zügen. Alle scheinen einen Plan zu haben. Na klar. Montagmorgen. Ich stehe da mit dem Gefühl dass mir die Planlosigkeit ins Gesicht geschrieben steht. Also mache ich halt mit. Kaufe mir ein Ticket. Steige auch in einen Zug. Die Destination kommt mir bekannt vor. Wo genau ich hinfahre? Keinen Plan. Hauptsache Berlin. HALLO BERLIN. 

Ich habe noch Zeit bis wir uns treffen. Also ziehe ich los. Die Stadt erkunden. Die Zeit nutzen. Planlos durch die Stadt laufen. Nun ja, wer mich kennt, weiß dass ich die Unordnung in Person bin. Ja das kann ich. Wo ich bin? Naja, in Berlin? 

Das wird mir bewusst als ich wieder auf die Uhr schaue. Halbe Stunde noch bis wir uns treffen. Natürlich schaltet sich in dem Moment mein Handy aus. Google Maps ist nicht mehr. Deine Nachricht, wo genau wir uns treffen auch nicht mehr. Ach und zu wissen wo ich gerade bin wäre auch schön. Nach einer gefühlten Ewigkeit Metroplan studieren und einigen freundlichen Berlinern weiß ich auch wo ich bin. Naja zumindest wie ich dich finde 😀
Man kommt doch immer an. Findet sich doch immer wieder. Es dauert nur. Und genau dafür liebe ich Berlin!

Aber vielleicht müssen wir manchmal einfach ein bisschen verrückt sein..

And if I fall? Oh darling, but what if you fly?!

Aber vielleicht müssen wir manchmal einfach ein bisschen verrückt sein. Vielleicht sollten wir manchmal einfach das tun was uns glücklich macht und nicht das was vielleicht richtig ist. Was uns glücklich machen könnte. Inwiefern denn richtig? Wer sagt denn was richtig ist? Was falsch ist?

Aber vielleicht müssen wir manchmal einfach ein bisschen verrückt sein. Lernen im Regen zu tanzen. Spaß haben. Uns nicht beeinflussen lassen. Andere lachen. Egal. Sie reden über dich. Egal. “Sei doch mal vernünftig” sagen sie.

Aber manchmal müssen wir manchmal einfach ein bisschen verrückt sein. Uns auf unsere Intuition verlassen. Aufs Bauchgefühl. Kein Ziel im Blick. Aber den Weg. Einfach unserem Gefühl folgen. Auf Risiko. “Das hat doch keine Zukunft.”,sagen sie.

Aber vielleicht müssen wir manchmal einfach ein bisschen verrückt sein. Wieder zu Kindern werden. Einfach tun was uns Spass macht. Die Schneeballschlacht. Die Schlittenabfahrt. Wasserbomben. Toben im Wasser. Warum auch nicht?!

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Und vielleicht sollten wir uns einfach weniger damit beschäftigen was andere über uns denken. Und uns mehr darauf zu konzentrieren glücklich zu sein. Verrückt zu sein. Denn das macht glücklich.